Systema Naturae


Liebe Leser, hier wird es wissenschaftlich:

Der Herr auf dem Bild ist weder der Tambourmajor von „Rote Funken Kölle Alaaf 1789“ noch wird er Ihnen jemals im Emsdettener Venn begegnen – bestenfalls als Geist in einer der Moorführungen von Barbara Tillmann.

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Carl von Linné – Gemälde H.J. Scheffel um 1740

Er ist nämlich schon lange tot und lebte 1707-1778 als Naturforscher in Schweden,  sein Name: Carl von Linné. Trotzdem ist er noch überall gegenwärtig!

Sein auf ältere Vorarbeiten zurückgehendes Werk „Systema Naturae“ bildet im Wesentlichen die bis heute gültige Einordnung der drei Reiche Mineralien, Pflanzen und Tiere in enzyklopädischer Form. Wobei man korrekterweise sagen muss, dass er – von Haus aus Botaniker – bei den Mineralien nicht immer ein glückliches Händchen hatte und sein System dort mittlerweile ersetzt wurde. Dafür sind aber inzwischen die Pilze zu einem eigenen Reich aufgestiegen! Und bei den Pflanzen und Tieren ist er sowieso weiterhin ungeschlagen …

Praktisch ausgedrückt: wenn ein Mistkäfer sich überlegt, wen er alles zu seiner Kommunion einzuladen hat, kann er bei Linné nachschauen und wird erfreut feststellen, dass er auch die wunderschönen Schmetterlinge anschreiben darf, denn sie sind über die Ordnung der Insekten mit ihm verwandt.  Und die wiederum können nicht ablehnen, denn auch sie haben ja den Linné zum Nachschlagen im Schrank, oder unserethalben im Kokon … Also müssen sie noch schnell ein Geschenk besorgen und hinfliegen, so hart kann das Leben sein!

Doch wie funktioniert das „Systema Naturae“ nun? Zuerst einmal in Latein, das war damals die Sprache der Wissenschaft.

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Der Aufbau selbst ist ein hierarchisches Rangsystem, welches sich vom „Reich“ über „Stamm“, „Klasse“, „Ordnung“, „Familie“, „Gattung“, „Art“ über diverse  (hier weggelassene) Zwischenstufen verästelnd nach unten hangelt.  Ist nicht schwer, schauen Sie sich das – für unsere Zwecke daher vereinfachte – Bild zur Stockente an.

Die Zweier-Kombination aus Gattungs- und Arten(eigen)namen bezeichnet dann letztlich die einzelne Art bzw. Spezies. Diese Angaben sehen sie auch beim Mouseover bei allen unseren Bildern zu Tieren und Pflanzen im Venn, es sind deren offizielle zoologische (bei Tieren) oder botanische (bei Pflanzen) Namen.

Die Erstentdecker/beschreiber einer neuen Art werden übrigens in wissenschaftlichen Ausarbeitungen zumindest einmal (plus Jahr) direkt hinter der Spezies genannt. Also beispielsweise „Schmittke, 2016“, falls Sie so heißen und im Venn eine neue Art von Bodenbakterium entdecken – aber lesen Sie ruhig erst zu Ende, bevor Sie sich nun mit Schüppchen und Lupe eilig auf den Weg dorthin machen …

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