World Wide Venn: Der Immigrant


oder auch: „globalisierte Zuwanderung“

Klingt verwirrend, oder? War es für uns zuerst auch, doch der Reihe nach:

Bereits 2011 ist sie unserem Ludwig Klasing aufgefallen und auch fotografiert worden: ungefähr ca. 30 cm groß mit kleinen roten Blüten. Das „corpus delicti“ wuchs mitten im Emsdettener Venn und zwar vom Turmweg kommend am ersten Torfstich rechts am Lehrpfad. Dort machte es, was alle Pflanzen machen: Photosynthese betreiben und sich vermehren. Aber wenn man auch sonst so ziemlich alles im Venn beim lateinischen Vor- und Zunamen kennt, hier war nur auszumachen, dass es sich um eine Art Johanniskraut handeln könnte.

006 Blüte Frasers Auenhartheu (Triadenum fraseri)-L. Klasing

Der Beginn einer spannenden Recherche …

Einer der Schlüssel zur eindeutigen Erkennung der Art lag in den Blüten. Oben steht es aber schon – klein! Es waren nämlich immer nur kleine Kapseln mit Samenständen auszumachen. Blüht sie nur sehr kurz? In Absprache mit den zuständigen Stellen wurde daher eine der Pflanzen eingetopft mit nach Hause genommen, quasi zur rund-um-die Uhr-Überwachung. Nach einiger Zeit sowie Kontrollbesuchen im Venn liess sich dann erstmals in 2016 eine Blüte erkennen. Ein wichtiger Schritt zur Identifizierung war getan.

Beinahe von Anfang an bestand reger Kontakt mit der Biologischen Station Kreis Steinfurt. Aber auch jetzt nach erneuten E-Mails, Beschreibungen der Blüte und Fotos liess sich dennoch das Geheimnis nicht lösen. Die Spannung stieg, der Ehrgeiz war ohnehin von Anfang an geweckt!

Ulrich Antons vom NABU aus Neuenkirchen gab dann Ludwig Klasing den Tipp, es doch einmal bei Dr. Armin Jagel vom Bochumer Botanischen Verein e.V. zu versuchen. Dies ist eine Vereinigung zur Weiterbildung und Vernetzung aller an Ökologie und Botanik Interessierten. Dr. Jagel war sehr kooperativ, konnte den Schleier um die Pflanze aber ebenfalls nicht lüften.

Waren wir da etwa einem (Flora-)Alien auf der Spur? Ein Kollege von ihm, Dr. Götz H. Loos, erinnerte sich allerdings, dieses Gewächs schon mal in einem botanischen Garten gesehen zu haben.

Die sprichwörtliche Schlinge zog sich zu: es ist eine Moor- u. Sumpfpflanze aus Nord-Amerika mit dem sperrigen Namen „Frasers Auenhartheu (Triadenum fraseri)„.

Wie es aussieht, handelt es sich offenbar um das erste dokumentierte verwilderte Vorkommen dieser Art in Deutschland, was uns einen Eintrag ins Jahrbuch des Vereins bescheren wird. Obendrein einen Besuch von Dr. Jagel nebst Kollegin im Emsdettener Venn am 25.08.2016 zur gemeinsamen „Tatortbegehung“. Außerdem bat er um Überlassung eines Exemplares für ein derzeit noch in privater Hand befindliches Herbarium. Jenes  wird eines Tages seine Heimat im Naturkundemuseum Münster finden.

Naja, bei aller Freude über das gelöste Rätsel nebst Jahrbucherwähnung etc: gemischte Gefühle bleiben schon, denn es handelt sich eindeutig um eine eingeschleppte Art, die wir nun wohl auch nicht mehr loswerden – es sind mittlerweile einige Tausend!

Und wie sie von Amerika ausgerechnet ins Emsdettener Venn geraten ist? Da sie sich vornehm in Schweigen hüllt kann man nur raten. Eventuell in Samenform als Bestandteil eines von dort importieren Saatgut- oder Futtermittels. Wir werden es vermutlich nie erfahren …

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