Der Maskenmann

Manchmal sitzt er einfach nur da und schaut einem gefühlt oft stundenlang beim Entkusseln zu. Nein, ich rede hier nicht von unserem Kolonnenführer (der selber natürlich auch aktiv ist), sondern von einem etwa amselgroßen Vogel mit charakteristischer schwarzer Augenbinde  – dem Raubwürger.

Dieser ist in halboffenen Gegenden wie Mooren (aha – Emsdettener Venn!), Weideflächen, Streuobst-Wiesen sowie Zwergstrauchheiden anzutreffen. Da es diese immer seltener gibt, ist leider auch sein Bestand auf mittlerweile ca. 2.000 Paare bundesweit geschrumpft.

Lanius excubitor ist ein Ansitzjäger, der von einer erhöhten Warte aus die Umgebung beobachtet und seine Beute nach kurzem Gleitflug meist am Boden überwältigt. Das können Großinsekten, Vögel und vor allem Mäuse sein.

Mit kräftigen Schnabelhieben oder einem Nackenbiss wird das Opfer dann getötet und auf Dornen aufgespießt bzw. alternativ in eine Astgabel geklemmt.  So wird – was nicht fastfoodmässig sofort verzehrt wird – eine ansehnliche Vorratskammer angelegt, was nebenbei bei der Partnerwahl (schaut her, was ich habe ) von Ausschlag sein kann.

Das Männchen sucht übrigens höchstselbst den Neststandort für die 4-7 Eier aus und schafft auch den Großteil des Materials heran.

Das fertige Konstrukt wirkt dann allerdings von außen eher unregelmäßig und etwas schlampig gebaut.

“Typisch Mann”, höre ich schon meine Frau sagen, “immer auf großen Heimwerker machen und nun sowas!”

“Aber das Nest hält doch”, anworte ich dann trotzig und bin im Stillen ganz auf der Seite des befiederten “Maskenmannes” …