… der den Kopf schiefhält

Falls Sie schon immer den Begriff “Geschlechtsdimorphismus” erklärt haben wollten und ein gutes Beispiel dafür suchten: Herzlich Willkommen in unserem aktuellen Blog über den Bluthänfling!

Der Fachausdruck selber steht für die optische Unterscheidbarkeit von Männlein und Weiblein im Tierreich. Ganzjährige Beispiele sind Herr und Frau Fasan oder  – alternativ zumindest während der Balz-/Brutsaison – unser heutiger Titelheld. Jener punktet bei den Damen mit einem roten Prachtkleid, während sie im schlichten Graubrau einherkommt. Klar – denn die Tarnfarbe hat natürlich unschätzbare Vorteile, wenn man brütend auf dem Nest sitzt.

Die den Finken zugehörigen, wellenförmig fliegenden Schwarmvögel sind ganzjährig hier anzutreffen. Sie bevorzugen offene Landschaften mit Hecken oder Büschen. Obstgärten oder Parks werden ebenfalls nicht verschmäht.

Nicht verschmäht werden auch die Lieblingsspeisen von Carduelis cannabina, nämlich Sämereien von Bäumen und Wildkräutern wie Vogelmiere, Hirtentäschel, Hahnenfuß, Sauerampfer etc.

Was heutzutage leider ein Problem darstellt, denn auf dem typisch deutschen Acker hat außer Mais, Gerste, Weizen, Hafer und Roggen nichts anderes zu stehen! Falls doch, genügt ein Blick ins aktuelle Prospekt von Bayer-Monsanto und der Landmann weiß, was er zu kaufen und anschließend zu spritzen hat.

Dann reden wir doch lieber vom Sozialverhalten der Hänflinge an sich, das ist deutlich humaner (obwohl es  eigentlich “tierischer” heissen müsste): die Paare bilden Brutkolonien und fliegen bspw. sogar gemeinsam los, um Nistmaterial zu suchen – die Wiederkehr erfolgt gleichsam im Verband.

Auch die gegenseitige Federpflege nimmt einen großen und wichtigen Platz ein. Dazu setzt unser “Pflegebedürftiger” eindeutige Signale: Wenn er z.B. den Kopf schiefhält, möchte er vom Partner gekrault werden.  

Falls sich Ihnen also mal bei einem Venn-Spaziergang etc. ein Exemplar in entsprechender Haltung nähert – es will nicht wegen Nackenwirbelproblemen zum Orthopäden gebracht werden, sondern dass ihm was Gutes getan wird.

Nehmen Sie sich die Zeit – er hat es verdient …